Stadt Oppenheim

Bekannt ist Oppenheim als Stadt des Weines, Sitz des Deutschen Weinbaumuseums und im Besonderen durch die Weine der Großlage Oppenheimer Krötenbrunnen.

Römische Zeit

Bei Bauarbeiten in den 1950er Jahren auf dem Gelände der 1837 abgerissenen Sebastianskirche stieß man auf Mauerreste, Ziegelsteine als Bodenbelag, ein Wasserbecken und einen gemauerten Kanal. Diese Funde weisen darauf hin, dass an dieser Stelle römische Bauten gestanden haben. In den Nachbarorten Dienheim und Nierstein wurden lediglich Grabstellen entdeckt, die nach römischer Sitte nur außerhalb von Siedlungen angelegt wurden. Der ehemalige rheinland-pfälzische Landesarchäologe Gerd Rupprecht lokalisierte an dieser Stelle das Römische Militärlager Buconica.


Mittelalter (500–1500)

Bereits am 20. Juli 765 fand das fränkische Dorf seine erste urkundliche Erwähnung im Lorscher Codex mit zwei Schenkungen über je einen Weinberg durch Folrad (Urkunde 1560) und Bertrich (Urkunde 1578) an das Kloster Lorsch. 774 schenkte Karl der Große Oppenheim dem Kloster Lorsch.

1008 erhielt Oppenheim Marktrechte. Im Oktober 1076 erlangte Oppenheim besondere Bedeutung im Investiturstreit. Auf dem Reichstag von Tribur und Oppenheim forderten die Fürsten König Heinrich IV. auf, sich vom päpstlichen Bann zu lösen. Dies war der Auslöser für Heinrichs Gang nach Canossa. Als Oppenheim später in Interessenskonflikte zwisched dem Mainzer Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken und dem Stauferherzog Friedrich II. (Schwaben) geraten war, wurde Oppenheim von ersterem 1118 zerstört. Als das Kloster Lorsch in den 1140er Jahren in finanzielle Schwierigkeiten geriet, gab es Oppenheim an den König des „Heiligen Römischen Reiches“ zurück. Damit begann Oppenheims Geschichte im Reich. Zur Zeit des Stauferkaisers Friedrichs II. wurde Oppenheim 1225 Freie Reichsstadt.[7] Die Stadt war zu dieser Zeit wegen ihrer Reichsburg und den dort ansässigen Burgmannen bedeutsam. 1254 schloss sich die Stadt dem Rheinischen Städtebund an, der sich verpflichtete Frieden und Recht für alle Personen zu gewährleisten. Damit waren explizit auch Angehörige jüdischer Religion gemeint. Seit dieser Zeit hatten auch die Juden, die seit etwa 1225 in Oppenheim wohnten, Rechtsschutz. 

In Oppenheim fanden bis auf die Zeit zwischen 1315 und 1353 weniger Pogrome an der jüdischen Bevölkerung statt als in den Nachbarstädten Mainz und Worms. Die Juden erhielten das Niederlassungsrecht aber nur gegen relativ hohe Sondersteuern. In Oppenheim wurde den Burgherren der Burg Landskron unter anderem durch den König Rudolf von Habsburg das Recht zum Genuss der Steuern der Juden zugesprochen.

1315 wurde die Stadt Oppenheim vom an den Erzbischof von Mainz verpfändet. Das dauerte bis 1353. In dieser Zeit fanden die einzigen Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung im Mittelalter statt. Trotzdem wurde 1325 ein neu gebaute Synagoge eingeweiht. Diese wurde bei einem Pogrom schon 1349 wieder zerstört. Die Mehrheitsbevölkerung schob den Juden die Verantwortung für die Ausbreitung der Pest in Oppenheim zu. Nach dieser Verfolgung siedelten sich erst nach einigen Jahren wieder Juden an. Ab 1375 gehörte Oppenheim zum Territorium des Kurfürsten der Pfalz. Es war zuvor von Kaiser Karl IV. an Kurfürst Ruprecht I verpfändet worden, der das Pfand einlöste. 1444 lebten 4 jüdische Familien in Oppenheim. Später waren es so viele, dass die Gemeinde 4 Rabbiner beschäftigte.


Neuzeit (ab 1500) bis 1900

Am 14. September 1620 wurde Oppenheim durch spanische Truppen im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) erobert. Im Juni 1631 überquerte König Gustav II. Adolf mit seinem Heer bei Oppenheim den Rhein und eroberte die Stadt. An diesen Rheinübergang erinnert die Schwedensäule bei dem rechtsrheinischen Erfelden im heutigen Hessen.

Oppenheim wurde dann 1688 durch französische Truppen im Zuge des Pfälzer Erbfolgekriegs (1688–1697) erobert. Am 31. Mai 1689 zerstörten die französischen Truppen unter General Ezéchiel de Mélac die Burg Landskrone und die Stadt.

Auch im 17 und 18. Jahrhundert lebten Juden in Oppenheim. 1765 waren es 10 Familien.

Bis 1797 blieb Oppenheim kurpfälzischer Besitz. Nach der Französischen Revolution eroberten französische Truppen im Ersten Koalitionskrieg unter Napoleon die linksrheinischen Gebiete der Kurpfalz und auch Oppenheim. Von 1798 bis 1814 waren Oppenheim und die linksrheinischen Gebiete in den französischen Staat eingegliedert. Sie gehörten überwiegend zum von Napoleon neugeschaffenen Département du Mont-Tonnerre (französisch für den Donnersberg). Nach dem Ende der napoleonischen Zeit kam Oppenheim 1816 mit einigen anderen linksrheinischen Städten und Gebieten zum Großherzogtum Hessen. Dieses Gebiet erhielt den Namen Rheinhessen. 1804 gab es in Oppenheim 74 Juden, 1824 waren es 162, 1861 schon 184 Personen. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts ging die Zahl leicht zurück.  1900 wohnten 129 Bürger israelitischen Bekenntnisses in Oppenheim. Die Kultusgemeinde, zu der auch die Nachbarorte gehörten, hatte 219 Mitglieder.

1864 hatte die jüdische Gemeinde in der Rathofstrasse 19 eine neue Synagoge erbaut. Die festliche Einweihung fand am 19. und 20. August 1864 statt. Es waren viele Gäste geladen und das Oppenheimer Kreisblatt bewertete das Ereignis als „eines der schönsten und interessantesten Feste des Sommers“.


20. Jahrhundert bis 1945

Bei der nationalsozialistischen Machtergreifung am 30. Januar lebte eine heute nicht bekannte Anzahl Juden in der Stadt. Gleich nach der Machtergreifung setzte die Verfolgung dieser Minderheit in der Stadt ein. Sie erlitten Ausgrenzung, Verlust von Freunden, Boykott von Geschäften, Verlust des Arbeitsplatzes und Rechtlosigkeit. 1934 wurde der jüdische Friedhof an der heutigen Amselstrasse geschändet. Bis zum 9. November 1938, dem Tag der reichsweiten Ausschreitungen gegen die Juden, waren 108 Juden weggezogen. 25 waren verstorben, einige vor 1933, einige nach schweren Drangsalen später. Von den Weggezogenen konnte sich ein Teil ins Ausland retten. Nur die Oppenheimer, die es schafften, weit weg von Deutschland zu kommen, konnten den Deutschen entrinnen. Diejenigen, die sich in die Nachbarstaaten Deutschlands gerettet hatte, kamen bei der Expansion Deutschlands nach Ost und West wieder in den Machtbereich der Deutschen. Die meisten von ihnen wurden dann in Vernichtungslager deportiert - genauso wie die, die aus Oppenheim in andere Orte in Deutschland geflüchtet waren.

In Oppenheim erlebten die 40 dort noch lebenden Juden in der Nacht vom 9. auf den 10. November und auch tagsüber am 10. November 1938 die Ausschreitungen in der von der NS-Führung angeordneten Reichspogromnacht. In der Nacht wurden in Oppenheim die jüdische Bewohner in dreizehn Wohnungen durch mit Knüppeln und Eisenstangen ausgerüstete auswärtige SA-Trupps aus ihrem Schlaf gerissen und überfallen. Die Bewohner wurden teils misshandelt und ihre Wohnungen zum großen Teil demoliert. Dabei wurde größtenteils wie in fast allen Städten das Inventar kurz und klein geschlagen. Zum Teil wurden die Betten aufgeschlitzt und die Federn auf die Straße geschüttet. Bei der Demolierung und teilweise auch stattfindendenen Plünderung der Wohnungen beteiligten sich nach Schilderungen von Augenzeugen in dem Buch 2009 erschienenen Buch von Wolfgang Kemp neben SA-Leuten und SS-Leuten auch Oppenheimer „Rowdies, Arbeitslose und im Sold der NSDAP stehende“ Bewohner Oppenheims. Frühmorgens wurden alle jüdischen männlichen Personen festgenommen. Sie mussten die Schuhe an den Schnürsenkeln um den Hals tragen und wurden so barfuß unter schweren Mißhandlungen über den Viehweg zum Rhein getrieben. Von diesen wurde 5 männliche Personen zur Gestapo nach Darmstadt abgeführt und dann für mehrere Monate ins KZ Buchenwald eingeliefert. Dazu gehörten die beiden gerade erst 16-Jahre alt gewordenen Jugendlichen Edmund Hirsch und Julius Mannheimer. Edmund Hirsch kam etwa am 23. Dezember wieder frei und zurück nach Oppenheim. Er wurde um den 27. Dezember bei Verladearbeiten in Frankfurt, zu denen er gezwungen worden war, totgeschlagen. Julius Mannheimer kam schwerkrank kurze Zeit später frei. Er gelangte auf Betreiben seiner Eltern auf einen Transport von jugendlichen Juden nach Großbritannien. Dort wurde er zuerst als feindlicher Ausländer interniert und dann Australien gebracht. Er besuchte in Sydney die Universität. Auf der Rückreise von Australien wurde sein Schiff durch ein deutsches Schiff torpediert und Julius Mannheimer ging mit dem Schiff unter.

Am Vormittag bog, wie ein Augenzeuge berichtete, gegen 11:30 ein Lastwagen mit 3 auswärtigen SA-Leuten in die Rathofsstrasse ein und hielt vor der Synagoge. Zwei Männer brachen mit Beilen die Synagoge auf. Der Dritte holte aus einem Haus in der Nähe, in dem möglicherweise ein Jungvolkführer wohnte, zwei mit Benzin gefüllte Kanister. Damit zündeten sie das Gotteshaus an. Es entstand ein großes Feuer, Die Feuerwehr sperrte das Brandareal ab, kümmerte sich aber nicht um das Feuer in der Synagoge. Nach den Schilderungen bei Kemp schützte sie nur die angrenzenden Häuser. Es ist nach Kemp nicht bekannt, ob ein Befehl gegeben wurde, die Synagoge nicht zu löschen. Ein Zeitzeuge, der Mitglied der Feuerwehr war, und Feueralarm gegeben hatte, als er das Entstehen des Brandes beobachtete, wurde von seinen Vorgesetzten dafür bestraft.[19] Die Synagoge brannte vollständig aus. Kurze Zeit später ließen die Nationalsozialisten sie abreißen. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde an dieser Stelle ein Luftschutzbunker errichtet.

53 Juden aus Oppenheim wurde der Aufstellung von Wolfgang Kemp zufolge Opfer von Deportation und gewaltsamem Tode. Oppenheim blieb bis 1945 hessisch.


Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute

Nachdem fast sämtliche Rheinbrücken durch die Deutschen gesprengt worden waren, gelang den Amerikanern unter General George S. Patton am 22. März 1945 zwischen Oppenheim und Nierstein einen Übergang über den Rheinherzustellen und zu halten. Damit gelang es den Amerikanern, zahlreiche Truppen auf die rechte Rheinseite zu transportieren.


Weinpatenschaft

In Oppenheim erhielt die Weinwerbung durch den Bürgermeister Dr. Heinz Scheller nach dessen Amtsantritt 1935 kräftige Impulse: Als Weinpatenstadt für Oppenheim kam für ihn nur die Reichshauptstadt Berlin in Betracht. Die Städte Ansbach und Osnabrück folgten. Zur Wiederbelebung dieser Weinpatenschaft und zum Dank für Verdienste um die Stadt Oppenheim wurde der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit am 11. März 2006 durch Stadtbürgermeister Marcus Held zum Weinritter geschlagen. Aktiven Ausdruck findet die Weinpatenschaft unter anderem durch die Teilnahme der Stadt Oppenheim an den Hoffesten des Senats von Berlin seit dem Jahr 2007 bis heute mit jeweils einem Weinstand. Auf Einladung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin Klaus Wowereit nahm eine Bürgerdelegation unter Stadtbürgermeister Marcus Held an den Feierlichkeiten der deutschen Botschaft in Paris zum Tag der Deutschen Einheit und zum Jubiläum der Städtepartnerschaft Berlin-Paris teil.


Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sehenswert ist die Katharinenkirche mit ihren Glasgemälden, den beiden Schaufenstern, der Oppenheimer Rose und der Oppenheimer Lilie, und dem bis heute belegten Beinhaus. Die Katharinenkirche ist der herausragendste gotische Sakralbau am Rhein zwischen Köln und Straßburg. Auch die anderen Oppenheimer Sakralbauten sind interessant. Ebenso sind die Ruine Landskron (mit dem schönen Blick in die Rheinebene und als Austragungsort der Festspiele und anderen kulturellen Veranstaltungen), die Altstadt mit Marktplatz, Rathaus von 1621 (davor eine Säule aus dem Saal der Burg Landskron, die angeblich aus derIngelheimer Kaiserpfalz stammt) und ehemaliger Stadtbefestigung (Gautor, Ruprechtsturm, Rheintorpforte, Uhrturm, Stadtmauerreste) sowie das (Deutsches Weinbaumuseum und das Stadtmuseum) zu nennen.

Außergewöhnlich ist das Oppenheimer Kellerlabyrinth unter der Altstadt.

Auf wechselnden Höhenlagen verbinden unterirdische Gänge, Treppen und Räume die Häuser und Anlagen miteinander. Im Altstadtkern, rund um das Rathaus, sind insgesamt ca. 650 Meter Kellergänge touristisch erschlossen und weitgehend historisch erhalten. Der genaue Umfang der unterirdischen Gänge ist trotz umfangreicher Untersuchungen im Auftrag der Stadt noch immer nicht endgültig bekannt, beträgt aber mindestens 40 km (Die begehbaren Teile rund um das Rathaus machen demnach nur 1 bis 2 Prozent des Gesamtvolumens an historischen Kelleranlagen aus, geben aber einen imposanten Eindruck). Führungen durch dieses einmalige Kellerlabyrinth, sowie Kirchenführungen, Führungen im Deutschen Weinbaumuseum, Stadtführungen und Nachtwächterführungen bietet das Tourist- und Festspielbüro der Stadt ganzjährig an.

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Quelle:Wikipedia